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Boedi gegen Italien – Runde zwei

  • von
📍 Scharnhorst

Die Ape stand noch schön artig links auf dem Hydraulik-Wagenheber.
Die große Feder grinste mich an. Ich grinste zurück. Diesmal war ich vorbereitet.
Keine improvisierten Haken. Keine Zange aus der Kategorie „wird schon irgendwie“. Keine Hoffnung. 
Nur ich. Und die 330-Millimeter-Bremsfedernzange.

Ring frei!
Erster Versuch: SPROING. Feder weg.
Zweiter Versuch: SPROING. Wieder weg.
Die Feder war offenbar der Meinung, dass das hier eine Best-of-Five-Serie wird.
Dritter Versuch. Zange angesetzt. Gezogen. Noch etwas. Noch ein Stück. KLICK. Drin.

Ich glaube, irgendwo in Italien ist in diesem Moment einem pensionierten Piaggio-Ingenieur der Espresso aus der Hand gefallen.
Sieg!

Jetzt nur noch einstellen Also Bremse nachgestellt.
Trommel drauf. Zu locker. Trommel wieder runter.
Nachgestellt. Trommel drauf. Zu fest.
Trommel wieder runter. Etwas gelockert.
Trommel drauf. Passt.
Na also. Kegelring drauf. Unterlegscheibe.
Und dann:
Wo ist die 30er Mutter?

Eine 30er Mutter!! Kein Sprengring. Keine M3-Schraube. Keine winzige Unterlegscheibe, die sich zwischen zwei Staubkörnern verstecken kann. Eine verdammte 30er Mutter! 

Ich suche. Unter dem Tisch. Auf dem Tisch.
Werkbank. Werkzeugwagen. Neben der Ape. Hinter der Ape. Unter Lappen.

In Kartons. Nochmal auf der Werkbank. Nochmal auf dem Tisch. Kriese! Müllsack! Die Lösung! Sie ist irgendwie in die alten Lappen gefallen….! OK, der 100l Müllbeutel war recht voll; aber die Garage recht leer: Auskippen und suchen!! Nach weiteren 18 Minuten Stress: Da ist sie auch nicht!

Die Garage ist eigentlich sogar ziemlich aufgeräumt. Werkzeug liegt ordentlich da. Ein Tisch.
Eine kleine Werkbank. Nicht gerade das Bermuda-Dreieck. Trotzdem: Nichts.

Nach ungefähr 30 Minuten war ich kurz davor, frustriert eine neue Mutter zu bestellen und die Existenz von Garagengeistern offiziell anzuerkennen.

Dann glänzt da etwas. Unter dem Wagenheber. Die Mutter hatte sich darunter verkeilt und lag so perfekt an ihrem Platz, dass sie aussah wie ein konstruktiver Bestandteil des Hebers.

Natürlich.
Fast fertig ist auch nicht fertig
Daraufgeschraubt. Beide Bremsen nochmal entlüftet. Wagenheber weg.
Mutter nach bewährter italienischer Methode angezogen: ordentlich fest.
Splint rein. Staubkappe drauf. Fertig.
…
Nein! Depp! Natürlich nicht.
Da liegt noch ein Sicherungsring. Ein übrig gebliebenes Teil bei einer Bremse ist grundsätzlich ein eher schlechtes Zeichen!

Also:
Staubkappe wieder runter. Splint wieder raus. Sicherungsring rein. Neuer Splint. Staubkappe drauf.
Jetzt fertig.

Der Moment der Wahrheit
Die Ape rausgeschoben. Wieder auf eigenen Beinen!
Choke. Start. Sofort da!

Und Scharnhorst versank spontan im Nebel des Grauens. Etwas viel Öl im Vergaser; passiert!
Ein bisschen unrund. Aber: Sie läuft.

Also Probefahrt. Erst einmal um den Block. Vollbremsung. QUIETSCH.
Steht. Sofort. OK: Mein Körper erst etwas später; überrascht wie gut sie bremst! Sehr schön.

Und dann wurde es schnell! Längere Fahrt Richtung Hörde. Ebene Strecke bei S&E: Tacho steigt auf 65 km/h.
Na bitte. Und sie läuft gefühlt sogar satter als vorher. Zuhause angekommen. Motor aus.

Kurz dieses schöne Gefühl: Alles funktioniert.
Dann: Scheiße! Brille in der Garage vergessen. Wolltest ja eh ne Probefahrt machen…!

Also zurück! Gerade Strecke: 67 km/h. Läuft. Zurück in der Garage. Ape abgestellt. Werkzeug aufgeräumt.
Ducati auf der Hebebühne zur Seite, damit irgendwann auch Franzis BMW wieder Platz findet.
Garage zu.

Mit dem Mazda nach Hause.
Und diesmal tatsächlich: glücklich.

Die Bremse bremst. Die Ape läuft. Die Feder sitzt. Die Mutter ist wieder aufgetaucht.
Und irgendwo in Italien schaut wahrscheinlich ein alter Ingenieur traurig in seinen Espresso.

Endstand: Boedi – Italien 2:0 😎🔧🇮🇹

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